Interview mit Yusuf Salih

Jul 29, 2022 | Infos aus den Wohngemeinschaften

Saatkorn: In welchem Land bist du geboren?

Yusuf: Ich komme aus Senafe, das ist eine Stadt in Eritrea. Dort habe ich bis 2014 gelebt.

Saatkorn: Wie bist du nach Deutschland gekommen?

Yusuf: Ich hatte große Probleme in meiner Heimat und musste schnell fort, weil ich sonst ins Gefängnis gekommen wäre. Die Gefängnisse in Eritrea sind sehr schlimm, davor hatte ich große Angst. Ich war auch noch ein Kind damals. Ich bin nach Äthiopien gegangen und dort 2 Monate geblieben. Dann musste ich weiter in den Sudan und war dort ca. 1,5 Jahre. Die Reise durch die Wüste war sehr schlimm. Die Menschen, die nicht fit genug für die Reise waren, wurden einfach zum Sterben zurückgelassen. Ich habe Tote im Sand liegen sehen.

In der Nähe zur Grenze nach Libyen hatte ich einen schlimmen Unfall. Dabei wurde ich lebensgefährlich verletzt. Im Krankenhaus wurde ich notoperiert. Dabei habe ich eine Niere verloren. Das Krankenhaus war in Libyen. Als ich wieder einigermaßen gesund war, wollte ich weiter nach Europa.

Die Überfahrt nach Italien übers Mittelmeer war aber auch sehr schlimm. Wir waren 5 Tage im Boot auf dem Wasser ohne Essen. Ich war ganz allein, ich kannte niemanden von den Menschen, die mit im Boot war. Ich hatte große Angst. Ich wusste nicht, ob ich die nächsten 10 Minuten überlebe. Ich war so froh, als wir von einem großen Schiff aufgenommen wurden. Gott sei Dank hatte ich es geschafft! Da war ich 16 Jahre alt.

Saatkorn: Warum bist du nach Deutschland gegangen und nicht in ein anderes europäisches Land?

Yusuf: Ich kannte von Deutschland die Fußballmannschaft. Die war 2014 Weltmeister. Es war so eine gute Mannschaft. Die fand ich toll. Deshalb hat Deutschland mich interessiert. Als ich nach Deutschland kam, habe ich schnell gemerkt, dass man hier freier leben kann. Man kann seine eigene Meinung sagen, man ist versichert. Du fühlst dich in Deutschland wie ein Mensch und wirst nicht wie ein Tier behandelt. 

In Deutschland hatte ich noch viele Untersuchungen wegen meiner Niere. Jetzt geht es mir aber wieder gut. 

Saatkorn: Was hast du in Deutschland gemacht?

Yusuf: Zuerst war ich zwei Jahre in Korntal im Kinderheim Hoffmannhaus. Als ich 18 wurde, wollte ich eine eigene Wohnung haben und selbständig leben. 

Saatkorn: Wie bist du nach Saatkorn gekommen?

Yusuf: Eine Mitarbeiterin im Hoffmannhaus hat mir davon erzählt. Ich bin ins Kornhaus gegangen, um mich zu informieren. Mahir und Samuel haben mir erklärt, wie Saatkorn funktioniert. Dabei waren sie sehr freundlich und respektvoll zu mir. Sie haben mir zuerst einen Cappuccino gemacht. Das fand ich sehr nett und ich habe mich wohl gefühlt, weil sie Interesse an mir als Mensch gezeigt haben.

Saatkorn: Was gefällt dir an Saatkorn? 

Yusuf: Es gefällt mir sehr gut bei Saatkorn. Sonst wäre ich nicht so lange geblieben. Ich arbeite sehr gerne im Kornhaus. Die Kunden sind unglaublich nett. Die Korntaler sind so sympathisch. Ich habe mein Deutsch verbessert und gelernt selbständiger zu sein.

Saatkorn: Welche Pläne hast du für deine Zukunft?

Yusuf: Ich möchte Arbeiten und mein eigenes Geld verdienen und selbständig sein. Ich möchte so schnell wie möglich unabhängig werden vom Jobcenter und so weiter.

Saatkorn: Viel Erfolg und Gottes Segen für deine Zukunft! Und vielen Dank für das Gespräch!