Unseren Teilnehmern sieht man unschwer an, dass die meisten von ihnen aus einem afrikanischen Land stammen. Immer wieder sind wir beeindruckt, wie schnell sie es schaffen, sich in den Saatkorn-Alltag einzufinden. Vor allem, wenn man bedenkt, wie sehr sich ihr Leben vor wenigen Jahren noch von ihren jetzigen Lebensumständen unterschieden hat.

Sozusagen alle Schwarzafrikaner im Saatkorn Projekt haben den Weg übers Mittelmeer gewählt und dafür furchtbare Erlebnisse in Kauf genommen. Das haben sie getan, weil sie unerträgliche Zusammenhänge hinter sich lassen wollten oder teilweise mussten, wenn sie nicht ihr Leben verlieren wollten. Oft geht es dabei nicht um Kriegssituationen im eigentlichen Sinn. Viele kommen in Auseinandersetzungen von Familien-Klans zwischen die Fronten unnd haben dadurch keine Lebensberechtigung mehr, sondern würden umgebracht! 

Der Weg zurück in diese Umstände ist für sie keine Option. Deshalb setzen sie alles daran, in Deutschland Wurzeln zu schlagen und an eine Berechtigung kommen, hier zu bleiben. 

Einer von ihnen ist Sanna Konta, der seit Februar 2020 am Saatkorn Projekt teilnimmt. Wir haben ihm einige Fragen gestellt:

Saatkorn: Wer bist du und woher kommst du?

Ich heiße Sanna Konta, ich komme aus Sanyang, das ist ein Dorf in Gambia. 

Saatkorn: Was liebst du an deiner Heimat Gambia?  

Das Wetter dort ist immer sonnig und warm, ca. 25-28 Grad. Nur in der Regenzeit, die drei Monate dauert, ist es ca. 20 Grad. Die Leute dort sind immer nett und freundlich. Auf der Straße grüßt jeder jeden. Hier in Deutschland gehen Leute oft aneinander vorbei, als ob sie sich nicht gesehen hätten. Das Essen ist in Gambia gut. Es wird fast jeden Tag Reis gegessen, sehr oft mit Fisch. Mango, Orangen, Bananen bekommt man ganz frisch vom Baum und sie schmecken viel besser als in Deutschland. 

Saatkorn: Warum hast du deine Heimat verlassen? 

Ich hatte in meiner Familie große Probleme, weshalb ich Gambia verlassen musste.

Saatkorn: Wie bist du nach Deutschland gekommen? 

Von Sanyang bin ich in den Senegal gegangen. Von dort habe ich mit Bahn und Bus Mauretanien durchquert. Danach Mali und Algerien bis nach Libyen. Von Libyen bin ich in einem Boot über das Mittelmeer nach Palermo/Sizilien gekommen. Dort war ich sechs Monate in einem Kinderheim. Damals war ich 16 Jahre alt. Es gab dort keine Perspektive für mich, das Leben bestand nur aus Essen und Schlafen. So habe ich mich entschieden, weiterzureisen und bin nach Bologna gegangen. Ich hatte gehört, dass es dort besser wäre. Aber dort durfte ich nicht bleiben und bin weiter nach Neapel gefahren, wo ich auch nicht bleiben konnte. Deshalb bin ich nach Mailand weitergegangen. Dort war ich in einem Flüchtlingscamp ohne sanitäre Anlagen. Das war nicht gut. Deshalb wollte ich wieder fort. Ich bin in die Schweiz nach Losone gekommen. Dort habe ich eine Zugfahrkarte bekommen, mit der ich bis nach Berlin fahren konnte. Das habe ich gemacht. In Deutschland bin ich von Berlin nach Karlsruhe gekommen, dann nach Heidelberg, danach nach Sigmaringen, danach nach Hemmingen. In Hemmingen war ich zwei Jahre, von 2018-2019. In den zwei Jahren habe ich einen Deutschkurs gemacht, sonst nichts. Ich bin sehr froh, dass ich in Hemmingen vom Saatkorn Projekt gehört habe und nach Korntal kommen konnte. 

Saatkorn: Was gefällt dir am Saatkorn Projekt? 

Im Saatkorn Projekt sind die Mitarbeiter sehr nett. Sie sind immer hilfsbereit. Über das Saatkorn Projekt habe ich einen Schulplatz an der Kolpingschule in Stuttgart (Olgaeck) gefunden, wo man einen Hauptschulabschluss machen kann. Dort bin ich jetzt im zweiten Jahr. In den Fächern Deutsch und Mathematik bekomme ich Nachhilfe von Anett Giehler aus dem Saatkorn Projekt. Die Leute vom Saatkorn Projekt haben für mich auch einen Praktikumsplatz gefunden. Und ab Sommer 2021 werde ich eine Ausbildung beginnen. Darüber bin ich sehr froh! Mir gefällt auch das Kornhaus. Weil wir dort helfen, können wir jeden Tag ein kostenloses Mittagessen bekommen. Es wird mit uns viel Deutsch gesprochen und wir lernen viel dazu. Das Saatkorn Projekt ist das beste Projekt!

Saatkorn: Was machst du momentan? 

Ich gehe noch bis zum Sommer zur Kolpingschule. Dann beginne ich eine Ausbildung bei der Bäckerei Sauter in Stuttgart-Weilimdorf. In meiner Freizeit helfe ich im Kornhaus. Und ich bin der Hausmeister in dem großen Saatkorn-Wohnhaus in der Martin-Luther-Straße 39. 

Saatkorn: Welche Pläne hast du für dein Leben? 

Ich wünsche mir eine gute Zukunft. Ich möchte sehr gerne in Deutschland bleiben und eine gute Arbeit finden. Wenn in meiner Zukunft mit meiner Familie vielleicht irgendwann alles gut ist, will ich sehr gerne nochmal in meine Heimat zurück. 

Saatkorn: Vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen dir viel Erfolg für deine Pläne.